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EWS-GEBÄUDE VON EINST IST BALD WEINLAGER

 „Superiore.de“ zieht mit leichter Verspätung ein

Coswig. Kämmerer und Bürgermeister Thomas Schubert (parteilos) kann sich freuen: zum heutigen Sonnabend will „Superiore.de“-Chef Lutz Heimrich seinen Internetweinhandel in Coswig anmelden. „Mit 3,5 Millionen Euro Jahresumsatz ist er ein Schwergewicht“, sagt Stadtrat Jürgen Splettstößer (DSU).

Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis Heimrich sein Gewerbe auch faktisch komplett aus dem Dresdner Eiswurmlager in das ehemalige Eingangsgebäude der Elektrowärme Sörnewitz (EWS) im Coswiger Ortsteil Neusörnewitz verlagert hat. Die Sanierung des 1905 erbauten Industriedenkmals hat sich als schwieriger herausgestellt als erwartet. Der aus unterschiedlichen Problemen resultierende Bauverzug hat sich auf fünf bis sechs Monate summiert, wie Heimrich schätzt. So sorgt seit November das steigende Grundwasser für feuchte Keller, was sich nur durch den dauerhaften Einsatz von Pumpen lösen ließ. Außerdem sei der beauftragte Haustechniker mitten in den Arbeiten Pleite gegangen.

Darüber hinaus wollte Heimrich nach langen Querelen, wie er sagt, seiner Bauleitung kündigen. Das Büro kam ihm zuvor und kündigte seinerseits, was Heimrich weitere Verzögerungen einbrachte. Um acht Prozent übersteigen die Baukosten das ursprünglich kalkulierte Budget. Sie liegen nun bei drei Millionen Euro, von denen die Hälfte Fördermittel sind.

Trotz aller Schwierigkeiten sei man schon zu 70 Prozent umgezogen, sagt Heimrich. Am Ende sollen 160 000 Weinflaschen in dem Gebäude lagern, die neun Mitarbeiter über das Internet verkaufen.

Der Bau soll Mitte Oktober endgültig bezugsfertig werden. Dann rechnet Heimrich zumindest mit der Brandschutztechnischen Prüfung, die Voraussetzung für die Betriebsaufnahme ist. Derzeit wird noch am Anbau auf der Rückseite des Gebäudes gearbeitet, wo Lastenaufzug und Be- und Entladevorrichtungen entstehen. Ebenso ist die Westseite des Gebäuderiegels noch Baustelle. Hier lässt sich Heimrich eine Wohnung einrichten. Dafür hat er extra einen Teil der maroden Bausubstanz abtragen lassen und erhält so eine terrassierte Wohnfläche auf zwei Ebenen mit bestem Blick in Richtung Elbe und Spaargebirge. Spätestens Ende des Jahres will er mit seiner Lebensgefährtin eingezogen sein und dann wie ein Unternehmer alten Stils unter demselben Dach wie sein Gewerbe leben.

Für Coswig bedeutet der Einzug des Weinhändlers neben den zu erwartenden Einnahmen aus der Gewerbesteuer vor allem so eine Art Befreiungsschlag im Gewerbegebiet EWS. Das lag zum großen Teil lange Jahre brach, wird derzeit für 8,2 Millionen Euro saniert, von denen der Freistaat 7,4 Millionen Euro zahlt. Da das Eingangsgebäude als einziges unter Denkmalschutz steht, schien es das gesamte Projekt zu gefährden: Für eine Sanierung war einfach kein Geld da. Entsprechend wurde Heimrich mit seinen Plänen wie ein Heilsbringer empfangen. Diese Rolle ist ihm auch zukünftig zugedacht: Mit seinem Internethandel ist im 17 Hektar großen Gebiet die erste Ansiedlung geschafft. „Und wenn der erste einmal da ist, kommen die anderen nach“, sagt Wirtschaftsförderin Annett Sachers.

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Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten, 1./2.10.2011, Uwe Hoffmann

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 „SUPERIORE.DE“ DRÜCKT AUF DIE TUBE

Internetweinhandel will schon im August 2011 neuen Firmensitz in EWS-Hauptgebäude eröffnen

Coswig. Die Dornröschentage des ehemaligen Hauptgebäudes der Elektrowärme Sörnewitz (EWS) sind gezählt. Im August nächsten Jahres will Lutz Heimrich hier mit seinem Internetweinhandel „Superiore.de“ einziehen. Das 105 Jahre alte Fabrikgebäude soll so etwas wie das Aushängeschild des derzeit in Dresden beheimateten Unternehmens werden.

Auf eine glanzvolle Zukunft deutet im Moment allerdings noch wenig hin: Das Gebäude ist inzwischen entkernt, in den nächsten Tagen kommen sogenannte Notfenster in die rund 250 Fensteröffnungen, die den schlimmsten Frost abhalten. Eigentlich sollte die Fassade abgewaschen und durch ein spezielles Verfahren gedämmt werden. Diese Arbeiten ruhen wegen der frostigen Temperaturen. Dafür entsteht im Inneren eine Brandschutzmauer. Sie teilt das Gebäude, so dass sich die spätere Nutzung erkennen lässt: In dem zwei Drittel großen Teilstück wird im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss auf je 1600 Quadratmetern das Weinlager eingerichtet. 150 000 Flaschen italienischer Weine hat der Internethändler derzeit auf Lager. „Und wir wollen weiter wachsen“, sagt Geschäftsführer Heimrich.

Im darüberliegenden Geschoss soll ein Versandlager liegen, in dem etwa Kartonagen und Packmaterial aufbewahrt werden. „Aus statischen Gründen können wir dort keinen Wein lagern, perspektivisch ist das aber als Erweiterungsfläche gedacht“, sagt Heimrich. Das Dachgeschoss bleibt vorerst ohne Nutzung.

In der kürzeren Hälfte im Westteil des Gebäudes entsteht in den unteren Geschossen ein Verwaltungstrakt. Weil das Dach hier besonders marode war, musste es teilweise abgerissen werden, genauso wie die zwei darunter liegenden Decken. Dadurch sind zwei Terrassen entstanden, von denen eine Heimrich selbst nutzen will, der sich hier seine Wohnung einrichtet. Die Terrassierung ist allerdings nur von der westlichen Giebelseite her zu sehen, weil die Seitenwände des Gebäudes aus Denkmalschutzgründen stehen bleiben mussten.

2,7 Millionen Euro kostet die Sanierung des EWS-Gebäudes, davon kommen 1,25 Millionen Euro aus einem Fördertopf der Europäischen Union. Teuer machen den Umbau einerseits Auflagen des Denkmalschutzes. So werden die Fenster für das Gebäude derzeit nach historischen Vorbildern extra angefertigt. Andererseits soll der künftige Unternehmenssitz mit Aufzug und Klimatechnik den modernsten Anforderungen genügen.

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Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten, 09.12.2010, von Uwe Hoffmann

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Neusörnewitzer EWS-Brache soll belebt werden – Stadt Coswig bewilligt 60.000 Euro für Planungen
Von FRIEDRICH W. BARTEL

Der Stadtrat Coswig bewilligte auf seiner jüngsten Sitzung eine außerplanmäßige Ausgabe von 60.000 Euro. Die Stadtverwaltung braucht das Geld, um die Planung zur Wiederbelebung des Geländes der früheren Elektrowärme Sörnewitz (EWS) in Neusörnewitz zu bezahlen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung des alten Industriestandorts gemeinsam mit der Nachbargemeinde Weinböhla. Das Gelände gehört der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) in Berlin. Das jetzt zur Revitalisierung vorgesehene Gelände liegt allerdings nur auf Coswiger Boden.

Die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens soll sich in dem „Standortentwicklungs- und Erschließungskonzept für den Altindustrie- und Gewerbestandort Elektrowärme Sörnewitz (EWS)“ niederschlagen. Sollte die Studie positiv ausfallen, sollen Teilflächen für eine öffentliche Erschließung bereit gestellt und die wirtschaftliche Infrastruktur entwickelt und ausgebaut werden. Die TLG will sich an den Planungskosten beteiligen, falls die förderfähige Summe von 60.000 Euro überschritten wird.

Beim EWS-Gelände handelt es sich um einen der traditionsreichsten Coswiger Industriestandorte. Der wirtschaftliche Aufschwung im Raum Coswig begann bereits 1789. Damals baute man im Friedewald Kalk ab, der in Coswig gelagert und dann per Schiff auf der Elbe transportiert wurde. 1839 entstand die Bahnverbindung Dresden–Riesa–Leipzig, 1860 folgte die Strecke Coswig–Meißen–Leipzig. 1913 wurde der Haltepunkt Neusörnewitz mit Gleisanschlüssen für alle anliegenden Unternehmen eröffnet.
1890 kauften die Brüder Willi, Max und Bernhard Heckmann das heutige EWS-Gelände in Neusörnewitz. In den folgenden Jahren entstand eine Fabrik zur Herstellung von Steingutgeschirr, Glaswaren und Porzellan. Das Porzellanwerk wurde später zum EWS-Hauptgebäude und steht heute unter Denkmalschutz. Nach dem Ersten Weltkrieg war kurzzeitig die Brand-Erbisdorfer Mühlen-, Seifen- und Schokoladenmaschinenfirma „Elite“ am Standort vertreten.

1922 kaufte die Siemens-Elektrowärme GmbH (SEG) das Areal. In der Folgezeit stellten hier rund 200 Mitarbeiter „Protos“-Koch- und Heizgeräte für den privaten und Industriebedarf her. An Fließbändern montierten sie Bügeleisen. 1937 arbeitete SEG für die Kriegsindustrie. Während des Zweiten Weltkrieges erhielt das Stammpersonal Verstärkung durch mehr als 700 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.
Nach Kriegsende folgten Schließung und Demontage des Betriebes, bis 1946 die Produktion mit Elektroherden, Bügeleisen und Kochplatten wieder anlief. 1948 kam es zur Enteignung. Als dann volkseigener Betrieb (VEB) lieferte er unter anderem Schalttafelgestelle für das Elektro-Apparate-Werk in Treptow zu. 1961 hatte der Neusörnewitzer VEB bereits 1320 Beschäftigte.

In den 80er Jahren übernahm das nun EWS genannte Unternehmen das Wandplattenwerk. 1984 nahm ein modernes Rohbraunkohle-Heizwerk den Betrieb auf. Bis zur Privatisierung 1990, die mit Stilllegung ganzer Bereiche einherging, war EWS mit 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Landkreis Meißen.
1991 übernahm die AEG den Bereich Stromversorgungsgeräte. Der Bereich Haushaltsgeräte wurde als Söhag GmbH selbstständig.

(Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten 2002/3)

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