TAG | Büroetage

Die Spannung steigt. Wer in diesen Tagen die Baustelle des ehem. Hauptgebäudes der EWS besucht, wird unweigerlich feststellen, dass sich nicht nur die Mannstärke der einzelnen Gewerke stark erhöht hat, sondern auch täglich Neues und vor allem von außen Sichtbares entsteht. Während in den Innenbereichen fleißig an der Grobinstallation für Lüftung, Heizung und Sanitär gearbeitet wird, nehmen auf der Nordseite die Verladestation mit künftigem Treppenturm und Lastenaufzug sichbar Formen an. Die ersten Treppen wurden bereits eingebaut und die Decke über EG ist bereits vollständig betoniert. Erst jetzt wird uns so richtig klar, welche Dimensionen der Neubau hat, die Pläne und zwischenzeitlich angefertigten 3D-Visualisierungen werden von der Realität in den Schatten gestellt. Doch im Norden passiert noch mehr: Nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile haben wir uns dazu entschlossen, den daneben liegenden Altanbau Nord abzureißen und original wieder errichten zu lassen. Sowohl die vergleichbar geringen Mehrkosten für Abriss und Neubau als auch statische Überlegungen haben uns diese Entscheidung letztendlich leicht gemacht.

Auf der Westseite wurden bereits alle neu zu erstellenden Etagen und die Terrassierung betoniert. Aufgrund der schlechten Bausubstanz war hier ab 1.OG leider der Totalabriss nötig. Erstmals erhält man nun einen beeindruckenden Einblick in die zukünftigen Büro- und Wohnungsetagen mit zugehörigen Terrassen, die durch die alten Fassadenteile eingefasst werden. So wird der Gesamteindruck des Gebäudes erhalten und gleichzeitig entsteht ein Wetter- und Sichtschutz.

Derzeit werden in den Lagerräumen und späteren Kommissionierbereichen die vorher sandgestrahlten Ziegelkappendecken gewaschen, bevor sie anschließend nachverfugt und versiegelt werden. Der Einbau der original nachempfundenen Holzfenster geht voran, beginnend im Dachgeschoss von Osten nach Westen. Parallel dazu werden die Fensterlaibungen und der Glattstrich eingebracht, bevor in den nächsten Wochen die Fensterinnen- und -außenbänke folgen werden. Mit den ersten Fenstern kehrt das “Gesicht” und Flair der Traditionsimmobilie zurück, welches in den vergangenen Monaten durch Entkernung und Skelettierung stark in den Hintergrund gerückt war. Mitverantwortlich dafür ist auch die Fassadensanierung, die die über 100 Jahre entstandenen Wunden im Klinkerwerk nach und nach schließt – es wurden bis heute über 4.000 Ziegel ausgetauscht und über 1.000 Metall- und Kleinteile entfernt, ein großes Lob für den Fleiß und die Gewissenhaftigkeit geht damit an die Firma Nüske aus Dresden. Im Nachgang an den Ziegelaustausch wird mit der Schlämmverfügung der Fassade begonnen, bevor dann abschließend hydrophobiert wird. Der Anthrazit-Farbton des Fugenmörtels korrespondiert ideal mit den dunkelgrauen Fenstern und wurde nach historischem Vorbild angemischt, nicht nur ein Zugeständnis an den Denkmalschutz, sondern eine für die Qualität des optischen Gesamtbildes konsequente Entscheidung.

In diesen Tagen werden letzte Abbrucharbeiten am Westgiebel des 3. Obergeschosses vorgenommen. Dieser wird anschließend neu betoniert und der Dachanschluss hergestellt. Dabei wird auch der alte Aufzugsturm saniert, bevor dann ein Wärmedämmverbundsystem angebracht wird.

Auch das Umfeld des Objektes ist in Bewegung. Der Abriss der alten Gebäude durch die Stadt Coswig geht rasant voran – täglich werden tonnenweise Bauschutt, Erdreich und Altmetall abtransportiert. Der Standort verändert täglich sein Gesicht und es wird spannend bleiben.

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