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Historie

Apr/10

26

Greifbare Geschichte.

Die Geschichte der ehemaligen EWS ist sichtbar, denn freundlicherweise haben wir einige Original-Pläne des Gebäudes erhalten und nehmen dies als Anlass einmal zurück zu schauen: 1905 wurde das heutige Industriedenkmal erbaut und in den ersten Jahren bis 1922 von der Steingutfabrik AG Sörnewitz genutzt. Ab 1922 ließ sich die Siemens-Elektrowärme-Gesellschaft mbH, Sörnewitz auf weiten Teilen des über zwölf Hektar großen Betriebsgeländes nieder.

Die ehemalige Porzellanfabrik war nun Geschichte, statt Gebrauchskeramik wurden jetzt beheizbare, elektrische Geräte produziert, wie zum Beispiel: Bügeleisen, Brutapparate, Tauchsieder, Lufterhitzer, Wärmespeicher, Kaffee- und Teemaschinen, Küchen- und Tischherde sowie Kochplatten. Später, im Jahr 1946, wurde die Firma enteignet und firmierte seitdem als VEB Elektrowärme Sörnewitz. Die in Sörnewitz ansässigen Unternehmen konnten von einer direkten Verkehrsanbindung profitieren, verfügten Sie doch sehr frühzeitig über eigene Gleisanschlüsse.

Mit der Wende waren auch die Glanzseiten der EWS Geschichte, ein Großteil des Betriebes wurde abgewickelt und die Betriebsflächen in Gewerbegebiete umgewandelt. Das Hauptgebäude steht nun seit über 15 Jahren leer und wird jetzt Schritt für Schritt für die künftige Nutzung als Weinlager und Firmensitz von SUPERIORE.DE entwickelt.

Wir freuen uns das Industriedenkmal auf dem Gelände der ehemaligen EWS zu sanieren und somit endlich wieder mit Leben zu füllen.

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Mrz/10

9

Winterfrische Südseite.

Neusörnewitzer EWS-Brache soll belebt werden – Stadt Coswig bewilligt 60.000 Euro für Planungen
Von FRIEDRICH W. BARTEL

Der Stadtrat Coswig bewilligte auf seiner jüngsten Sitzung eine außerplanmäßige Ausgabe von 60.000 Euro. Die Stadtverwaltung braucht das Geld, um die Planung zur Wiederbelebung des Geländes der früheren Elektrowärme Sörnewitz (EWS) in Neusörnewitz zu bezahlen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung des alten Industriestandorts gemeinsam mit der Nachbargemeinde Weinböhla. Das Gelände gehört der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) in Berlin. Das jetzt zur Revitalisierung vorgesehene Gelände liegt allerdings nur auf Coswiger Boden.

Die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens soll sich in dem „Standortentwicklungs- und Erschließungskonzept für den Altindustrie- und Gewerbestandort Elektrowärme Sörnewitz (EWS)“ niederschlagen. Sollte die Studie positiv ausfallen, sollen Teilflächen für eine öffentliche Erschließung bereit gestellt und die wirtschaftliche Infrastruktur entwickelt und ausgebaut werden. Die TLG will sich an den Planungskosten beteiligen, falls die förderfähige Summe von 60.000 Euro überschritten wird.

Beim EWS-Gelände handelt es sich um einen der traditionsreichsten Coswiger Industriestandorte. Der wirtschaftliche Aufschwung im Raum Coswig begann bereits 1789. Damals baute man im Friedewald Kalk ab, der in Coswig gelagert und dann per Schiff auf der Elbe transportiert wurde. 1839 entstand die Bahnverbindung Dresden–Riesa–Leipzig, 1860 folgte die Strecke Coswig–Meißen–Leipzig. 1913 wurde der Haltepunkt Neusörnewitz mit Gleisanschlüssen für alle anliegenden Unternehmen eröffnet.
1890 kauften die Brüder Willi, Max und Bernhard Heckmann das heutige EWS-Gelände in Neusörnewitz. In den folgenden Jahren entstand eine Fabrik zur Herstellung von Steingutgeschirr, Glaswaren und Porzellan. Das Porzellanwerk wurde später zum EWS-Hauptgebäude und steht heute unter Denkmalschutz. Nach dem Ersten Weltkrieg war kurzzeitig die Brand-Erbisdorfer Mühlen-, Seifen- und Schokoladenmaschinenfirma „Elite“ am Standort vertreten.

1922 kaufte die Siemens-Elektrowärme GmbH (SEG) das Areal. In der Folgezeit stellten hier rund 200 Mitarbeiter „Protos“-Koch- und Heizgeräte für den privaten und Industriebedarf her. An Fließbändern montierten sie Bügeleisen. 1937 arbeitete SEG für die Kriegsindustrie. Während des Zweiten Weltkrieges erhielt das Stammpersonal Verstärkung durch mehr als 700 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.
Nach Kriegsende folgten Schließung und Demontage des Betriebes, bis 1946 die Produktion mit Elektroherden, Bügeleisen und Kochplatten wieder anlief. 1948 kam es zur Enteignung. Als dann volkseigener Betrieb (VEB) lieferte er unter anderem Schalttafelgestelle für das Elektro-Apparate-Werk in Treptow zu. 1961 hatte der Neusörnewitzer VEB bereits 1320 Beschäftigte.

In den 80er Jahren übernahm das nun EWS genannte Unternehmen das Wandplattenwerk. 1984 nahm ein modernes Rohbraunkohle-Heizwerk den Betrieb auf. Bis zur Privatisierung 1990, die mit Stilllegung ganzer Bereiche einherging, war EWS mit 2000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Landkreis Meißen.
1991 übernahm die AEG den Bereich Stromversorgungsgeräte. Der Bereich Haushaltsgeräte wurde als Söhag GmbH selbstständig.

(Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten 2002/3)

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